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Der Nächste bitte

Mehrmals werden in der Bibel die guten Gebote Gottes im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst. Es lautet kurz formuliert: „Du sollst Gott lieben und du sollst deinen Nächsten lieben!“  Ich möchte Sie einladen, einen Augenblick über den zweiten Teil nachzudenken: „Du sollst deinen Nächsten lieben!“
Im Laufe unseres Lebens sind uns viele Menschen als Nächste zugeordnet:
Eltern und Kinder, Mitschüler und Ar­bei­ts­­­kollegen, Verwandte und Bekannte, Glaubensgeschwister und andere. Auch im Reisedienst begegnet man vielen Menschen, die einem für kürzere oder längere Zeit zu Nächsten werden.
Nun können Nächste außerordent­lich unterschiedlich sein. Es gibt pfle­­­geleichte und komplizierte, wohlwollende und Nörgler, ersehnte und lästige, fröhliche und griesgrämige. Dass ich alle meine Nächsten lieben soll, steht außer Frage. Und doch versage ich auch immer wieder.
Manchmal ist es so, wie es ein alter Vierzeiler zum Ausdruck bringt:

„Von Nächstenliebe spricht man gern,
solang’ der Nächste möglichst fern.
Doch ist er mal in unsrer Mitte,
heißt’s oft: Nicht du, der Nächste bitte!“

Für das Wachstum meines Lebens im Glauben sind schwierige Menschen wichtiger als einfache. Gerade schwierige Menschen sollen mich zur Nächstenliebe herausfordern. Gerade sie können mir helfen, meinem Ich abzusterben, das alte Gesetz „Wie du mir, so ich dir“ über Bord zu werfen und mich entschlossen dem neuen Gesetz zuzuwenden „Wie Jesus mir, so ich dem andern.“ Hilfreich ist, sich zu vergegenwärtigen, dass jeder Mensch, auch der unmöglichste, von Gott gewollt und geliebt ist wie ich, und dass Jesus für jeden Menschen, nicht nur für mich, am Kreuz gestorben ist. Diese grundlegende Tatsache wertet jeden meiner Nächsten, der mir in den Weg tritt, kräftig auf.
Letztlich habe ich täglich das Gebet nötig: „Herr, gieß deine Liebe in mein Herz für jeden, der mir heute begegnet.“ Und wenn ich dann tatsächlich meinen Nächsten lieben kann, ist es Jesu Kraft, die in mir Schwachem mächtig ist. Entscheidend ist, nicht zu resignieren und keinesfalls zu tönen: „Wir sind halt alle nur Menschen.“

Da würde ich meine Nächsten nach Lust und Laune lieben oder auch nicht. Da bliebe ich der Alte! Wichtig ist, dass ich das Gebot der Nächstenliebe als Zielvorgabe meines Schöpfers und Erlösers für meinen Alltag annehme und kraft seiner Kraft darangehe, zielorientiert zu denken, zu reden und zu leben, auch wenn ich dabei bis zum letzten Tag meines Lebens der Vergebung bedürftig bleibe.

Viele liebenswerte Nächste begegneten mir während einer Bibelwoche in den Lausitzdörfern Bluno, Klein-Partwitz und Sabrodt. Pfarrer Udo Gerbeth hatte dazu eingeladen. Eröffnet wurde diese Woche mit einem Jubelkonfirmations­gottesdienst in der alten Fachwerkkirche von Bluno, bei dem ich die Predigt halten durfte. An den Abenden sprach ich in Sabrodt über das Thema „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Es ging um das Geheimnis der Zeit, um die Bewältigung der Vergangenheit, um das Leben in der Gegenwart und um die Hoffnung auf die Zu­kunft. In der Seelsorge werde ich immer wieder herausgefordert, das geduldige Zuhören zu üben und mir Liebe und Weisheit für Menschen in allerlei Nöten schenken zu lassen. Gerne und dankbar denke ich an die Tage in der Lausitz zurück, in die auch noch zwei Verkündigungsdienste bei Senioren fielen.
Es freut mich immer wieder neu, dass Sie sich, liebe dzm-aktuell-Leser, für unser Werk, für die Mitarbeiter und für unsere Einsätze interessieren und uns mit Ihren Gebeten begleiten.

Seien Sie herzlich gegrüßt und gesegnet.

Wolfgang Putschky

 

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