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Für heute und morgen

Letztes Jahr beim missionarischen Stadtfest in Geithain. Pfarrer Helbig meinte zu mir: „Heute Mittag kommt eine Reli-Schulklasse. Kümmerst du dich mal um sie?" – Inmitten des Besuchergewühls fanden sich bald die Jugendlichen im Zelt ein. Ich sprach mit ihnen und zeigte ihnen einige der im Zelt ausgestellten Kunstexponate. Als ich fertig war, kam einer zurück und fragte mich: „Wo steht noch mal dieser Bibelvers, den Sie zitiert haben?" – Dieser Junge war mir aufgefallen. Er hatte zugehört. Er kam allein.

Vor Jahren lernte ich den farbigen Pastor Wilson Awasu aus Afrika kennen. Bei einer Evangelisation in seinem Land kam er zum Glauben. Gott konnte ihn später großartig gebrauchen. Aber die Leute sagten damals: „Ach, bei der Evangelisation ist ja bloß einer zum Glauben gekommen."

 Bloß einer? Dass viele Menschen entschiedene Christen werden und in Gemeinden ankommen, das sind die guten Wünsche vieler Evangelisationsveranstalter. Doch dann sind Pfarrer oder Vorstände immer mal wieder frustriert. Die Zeltbesucher strömen nicht wie früher. Es gibt wenige sichtbare Bekehrungen. Für zweiwöchige Zelttage reicht die Mitarbeiterkraft nicht mehr. – Schneller, billiger, effektiver, das sind die Forderungen der Industrie an jeden Produktionsprozess. Unreflektiert übernehmen wir das als Erwartung auch für die Evangelisation. Die Leute müssen sich eben schneller bekehren! Machen sie das? – Am Ende werden Aufwand und Kosten durch die Anzahl der Bekehrungen geteilt. Das Ergebnis entscheidet, ob wir uns diese Mühe noch einmal „antun".

Gern lesen Gemeinden Kapitel 2 der Apostelgeschichte: 3000 Taufen auf einmal. Der Hammer! Mit 30 wären wir schon zufrieden. – Aber nur eine? Hat sich das gelohnt?

Jesus machte auf der einen Seite deutlich, dass niemand zu ihm kommen, also Christ werden kann, ohne dass der Vater im Himmel „ihn zieht". Gott selbst muss also die Menschen vorbereiten und für eine Glaubenseinladung öffnen. Sonst greift keine Predigt. Wir wissen nicht, bei wem das der Fall ist. Wir wissen nicht, bei wie vielen Gott im Verborgenen wirkt. Wir können keine Lebensumkehr erzeugen. Das ist gut so und sichert vor Manipulation. – Auf der anderen Seite erinnert uns Paulus, dass Menschen nur gerettet werden können, wenn sie von Jesus hören. Die von Gott im Herzen vorbereiteten Menschen brauchen als Grundlage für ihre Entscheidung die evangelistische Botschaft. Beide Seiten zusammen machen erst die Medaille.

Wir wünschen uns Erweckung, das ist gut und auch nötig. Ich frage nach: Warum ist uns das zu wenig, wenn nur einer auf die Botschaft reagiert? Und vielleicht nur ein Kind? Eine Ewigkeit lang wird doch dieser Glaubenssieg gefeiert.

Auf der letzten dzm-Mitgliederversammlung sprach der Direktor des Johanneums, Pfarrer Burkhard Weber. Er stellte in seinem Vortrag die These auf: „Evangelisation ist weniger eine Frage der Begabung als vielmehr des Gehorsams". Das gibt zu denken. Wenn wir den evangelistischen Dienst also tun, weil Jesus Christus es befohlen hat (Matthäus 28), geschieht sogleich Folgendes: Erstens werden wir frei von der falschen Motivation, sichtbare Erfolge zu sehen. Im zweiten Schritt können wir uns ohne Frust freuen. Denn dem Gehorsam genügt es, das Beste getan zu haben. Das reicht. Die Ergebnisse aber, die überlassen wir als „Chefsache" unserem Herrn.

Martin Luther sprach von der Liebe Gottes als von einer verlorenen Liebe. Sie schüttet sich aus, ohne jede menschliche Entsprechung und Antwort zu erwarten. Sie rechnet nicht nach Kosten, Effizienz und Ergebnis.

In diesem Sinne brauchen wir den alten Mut zur „Vergeblichkeit", zur „verlorenen Evangelisation". Denn dann waren wir wenigstens gehorsam. Und treu. Jesus sagte schon mal: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu." (Lukas 16,10)

Wie die Diakonie als praktische Nächstenliebe unseren Mitmenschen schenkend dient, so müssen wir es auch sehen, wenn wir in unseren Dörfern und Städten den Jesus-Namen der Öffentlichkeit bringen.

Evangelisation ist keine Mitgliederwerbung, sondern liebender und schenkender Dienst an unserer Gesellschaft.

Sehen wir jemanden umkehren zu Gott, und sei er allein, dann gilt: Der eine, der war es doch wert. Und sehen wir gar nichts, was dann? Dann gilt umso mehr:

Der EINE war es wohl wert. Jesus!

Mathias Lauer

 

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